Quelle: (Englisch 93).
Anleitung zum systematischen Entwurf von Verfahren
zur
Beurteilung der Benutzerfreundlichkeit.
Abb. 1: Evaluation

Voraussetzung für eine Evaluation sind Soll-Maßtäbe, anhand derer ein Ist-Zustand
beurteilt werden kann. Zweck der Evaluation ist es, Aussagen (Evaluationsergebnisse) zu treffen,
ob etwas erreicht wurde oder nicht. Damit eine Evaluation vorgenommen werden kann,
bedarf es demnach einer Aufgabenstellung (Abb. 1).
Tab. Systematik zur Evaluation
| Aufgabenstellung |
| Art |
Qualitätsprüfung |
Marktvergleich |
Normkonfor- mitätsprüfung |
Auswahl- prüfung |
Eignungs- prüfung |
| Ziele |
System- beschreibung |
System- analyse |
Ursachen- analyse |
Prognose von Auswirkungen |
| Begrenzung |
Gesamtes Arbeitssystem |
Ausschnitt |
| Evaluationsumfang |
Eine Evaluation |
Mehrere Evaluationen |
| Evaluationssituation |
Real |
Abstrahiert |
| Geforderte Güte |
Hoch |
Mittel |
Gering |
| Geplanter Aufwand |
Beschränkt |
Unbeschränkt |
| Soll |
| Art der Forderungen |
Allgemein |
Anwendungsbezogen |
Individuell |
| Operationalisierungsart |
Idealvorstellung |
Relativmaß |
Absolutmaß |
| Operationalisierungsform |
Keine |
Beschreibend |
Konkret |
| Zielbeitrag |
Fix |
Variabel |
| Ist |
| Art der Realisierung |
Idee/Vorstellung |
Konzept |
Prototyp |
Anwendung |
| Evaluationsergebnis |
| Art des Ergebnisses |
Untersuchungsergebnis |
Beurteilungsergebnis |
| Informationsgehalt |
Qualitative Daten |
Quantitative Daten |
Funktionen |
| Bezug des Ergebnisses |
Relativ |
Absolut |
| Erreichbare Güte |
Hoch |
Mittel |
Gering |
- Evaluationsverfahren werden auf der Basis einer vorgegebenen
Aufgabenstellung entwickelt. Mit der vorgestellten Systematik zur Evaluation
können verschiedene
Alternativen zur Entwicklung von
Evaluationsverfahren voneinander abgegrenzt werden.
- Zur Entwicklung von Evaluationsverfahren sollte eine
Modellbetrachtung des rechnerunterstützten Arbeitssystems
verwendet werden, auf die sich die Objekte der Gestaltung und
Evaluation beziehen können.
- Vor der Gestaltung und Evaluation ist es ein Zielsystem zu
bestimmen. Die Aufstellung des Zielsystems orientiert sich an
den äußeren Einflußgrößen, wie z.B. an der jeweiligen
Aufgabenstellung. Zum Geltungsbereich des Zielsystems sollten
entsprechende Bedingungen formuliert werden.
- Entsprechend den Zielklassen "Mindestziele", "Benutzungsziele"
und "Allgemeine Ziele" können unterschiedliche Schwerpunkte bei
der Gestaltung oder Evaluation bestehen. Zum Ziel
"Benutzungsfreundlichkeit" muß deshalb festgelegt werden,
bezüglich welcher Zielklassen eine Gestaltung oder Evaluation
durchgeführt wird.
- Realisierungsformen in rechnerunterstützten Arbeitssystemen
können unterschiedliche Zielbeiträge bewirken (Zielbeiträge zu
den Stufen der Mindestziele, zum Minimalniveau oder zur
Zielerfüllung). Vor der Gestaltung oder Evaluation sollte
deshalb festgelegt werden, welchen Zielbeitrag bestimmte
Realisierungsformen bei ihrer Erfüllung bzw. Nicht-Erfüllung mit
sich bringen.
- Entsprechend der Ziele werden grundsätzliche Anforderungen,
Benutzungs- und Anwendungsanforderungen zu bestimmten
Gestaltungsobjekten im rechnerunterstützten Arbeitssystem
zusammenstellt.
- Forderungen zur Gestaltung von rechnerunterstützten
Arbeitssystemen werden entsprechend den Zielsetzungen, der
Aufgabenstellung und bestehender Anforderungen zu einem
bestimmten Gestaltungsobjekt formuliert. Die Verwendung einer
geeigneten Modellvorstellung mit Komponenten der Gestaltung
unterstützt die Evaluation dieser Gestaltungsobjekte.
- Zu Forderungen sollten die Teilziele benannt werden, zu denen
die Forderungen Zielbeiträge erbringen können.
- Mit Hilfe der Elemente des Ist-Arbeitssystems lassen sich alle
Feststellungen beschreiben, die für den Vergleich mit dem
Soll-Arbeitssystem notwendig sind.
- Bei den Feststellungen wird angegeben, auf welches
Gestaltungsobjekt sie zutreffen und unter welchen Bedingungen
sie gelten (Ist-Situation).
- Entsprechend der Aufgabenstellung zur Evaluation werden
geeignete Abläufe im Untersuchungs-/Beurteilungssystem
zusammengestellt.
- Teilweise ist es möglich, das Vergleichen und Bewerten gemeinsam
durchzuführen. die Vergleichsergebnisse sind dann in den
Bewertungsergebnissen enthalten.
- Die Aufgabenstellung zur Evaluation kann Hinweise zu
Rahmenbedingungen, Untersuchungsmethoden und zum Objekt der
Untersuchung berücksichtigt werden.
- Die Auswahl einer Untersuchungsmethode und die Wahl eines
Skalenniveaus für die Feststellungen hängt vom Ziel der
Evaluation und vom geforderten Informationsgehalt der
Evaluationsergbnisse ab.
- Sollen die Feststellungen der Untersuchungen bei
Soll-Ist-Vergleichen verwendet werden, müssen sie sich am Format
der Soll-Vorgaben und an den dazugehörigen Bedingungen
orientieren.
- Vergleiche bei der Beurteilung von Zielen werden durchgeführt,
um Aussagen über mögliche Zielbeiträge zu liefern. Das
Vergleichssysten steht mit dem Zielsystem durch Kriterien in
Beziehung.
- Durch Soll-Ist-Vergleich wird beurteilt, ob Forderungen bei der
Gestaltung eingehalten wurden.
- Durch den Vergleich mit Idealvorstellungen wird beurteilt, ob
sich ein Evaluator bessere Realisierungsmöglichkeiten vorstellen
kann.
- Mit System-Vergleichen wird beurteilt, ob Unterschiede zwischen
verschiedenen Realisierungsmöglichkeiten bestehen. Oftmals
werden bei System-Vergleichen auch Bewertungen vorgenommen.
Dabei wird ermittelt, welche Zielbeiträge eine
Realisierungsmöglichkeit im Vergleich zu anderen
Realisierungsmöglichkeiten liefert.
- Liegen die Feststellungen auf unterschiedlichem Skalenniveau vor
und sollen die Vergleichsergebnisse zusammen ausgewertet werden,
dann sollte angestrebt werden, die Vergleichsergebnisse während
des Vergleichs auf einheitliche Skalen zu transformieren.
- Absolute Bewertungen sollen von mehreren Evaluatoren
durchgeführt werden. Diese sollten Kenntnis von Beurteilungen
zur Zielerfüllung bei Vergleichssituationen besitzen. Die
Zusammensetzung des Zielsystems muß dabei bekannt sein.
- Die Ergebnisse relativer Bewertungen sind meist nur im Rahmen
der durchgeführten Beurteilung gültig und können auf
Beurteilungen bei anderen Situationen nicht übertragen werden.
- Zu Kriterien können unterschiedliche Gewichtungsfaktoren
berücksichtigt werden, wenn die Bewertungsergebnisse mindestens
auf Intervallskalenniveau vorliegen.
- Zusammen mit der Planung des Feststellungs-, Vergleichs- und
Auswertungssystems sollten auch geeignete
Auswertungsmöglichkeiten festgelegt, angepaßt oder entwickelt
werden (Abb. 2).
- Evaluationsverfahren lassen sich durch die Elemente des
Evaluationssystems beschreiben.
- Sofern bereits Evaluationsverfahren bestehen, können die
Merkmalsausprägungen dieser Verfahren mit Hilfe der Systematik
zur Evaluation beschrieben werden. Zur Auswahl eines geeigneten
Evaluationsverfahrens vergleicht man die Merkmalsausprägungen
bereits bestehender Evaluationsverfahren mit denen des zu
planenden Verfahrens.
Abb. 2: Evaluationssystem
